Erfahrungsbericht
Ich achte dein Schicksal – ein Erfahrungsbericht
Eine Teilnehmerin beschreibt ihre erste Familienaufstellung bei mir. Ich veröffentliche den Bericht mit ihrer Einwilligung.
Als ich meine erste Familienaufstellung bei Christiane Hoffmann gerade beginnen wollte, erfasste mich plötzlich heftiges Schluchzen. „Warum heulscht’n jetzt?“, fragte Christiane ganz ruhig und ernst. Sie ahnte wohl, dass es dabei um ein anderes Thema ging, als ich dachte. Damals befand ich mich in einer verzwickten Situation: Anfang dreißig, war ich seit mehreren Jahren mit meinem Studium zurückgeblieben, um meinem Mann beizustehen, der schwer erkrankt war. Während er sich in den Jahren der Krankheit zu dem wundervollsten Menschen entwickelte, den ich kannte, wurde ich immer unzufriedener mit meinem eigenen Leben, fand aber auch nicht den Absprung, um selbst voranzukommen. Ich fühlte, dass ich mich hinter seinem „schweren Los“ auch versteckte und dass ich keinen Mut hatte, das Nest zu verlassen. Die Nachwende-Gesellschaft machte es mir auch nicht leicht, ich fühlte mich ungewollt in diesem Land, obwohl ich von den liebsten Menschen umgeben war.
Was tun?
Ich hörte einen Vortrag von Christiane, fand Vertrauen zu ihrer so völlig uneitlen, direkten Art und da hörte ich nun die Frage: „Warum heulscht’n jetzt?“ Sie forderte mich dann auf, jemanden für mich selbst, für meinen Mann und für seine Krankheit in den Raum zu stellen – und was musste ich feststellen? Die beiden Personen, die für ihn und die Krankheit standen, legten einander die Arme um die Schultern, sahen sich freundlich an wie zwei gute Kumpel und meinten: „Wir verstehen uns.“ Ich war schockiert, kam mir überflüssig vor und sah einen Abgrund zwischen uns auftauchen: Tief, aber so schmal, dass ich jederzeit hinübergehen konnte. Ich begann zu verstehen.
Christiane bat mich, nun selbst meinen Platz einzunehmen und zu „meinem Mann“ zu sagen: „Ich achte dein Schicksal.“
Was so unscheinbar klingt, löste ein stilles Beben aus: Von Stund an war ich freier, bestimmte selbst, was ich wann tat, und überließ es ihm, seine Helfer zu organisieren, wenn ich „weg“ war. Ich begann einen Malkurs, der es in sich hatte, pflegte meine Freundschaften, die mich stützten, als mich keiner mehr zu verstehen schien, und ging tanzen! Ein Jahr später verstarb mein lieber Mann.
Für einen Augenblick war es, als ob er mich nachträglich mit einer Welle von Lebensfreude und Dankbarkeit überschüttete. Ich war so glücklich, so dankbar. Seine Krankheit hat also auch mich auf einen Weg gebracht, der heute ganz MEINER ist. Meine erste Familienaufstellung bei Christiane gab mir die nötige Energie und das Bewusstsein, dass ich in der schwersten Zeit auf mich selbst achten und ihn trotzdem nach Kräften unterstützen konnte. Später halfen mir das Lösungsbild und der Satz „Ich achte dein Schicksal.“, die Trauer und den Verlust anzunehmen und zu verarbeiten. Seitdem fühle ich einen inneren Strom von tiefer Freude und Getragensein. Ich bin glücklich.